Comédie - Seul en scène de et avec Bernd Lafrenz

Hamlet – drôlement libre d’après Shakespeare
03.10.2019 | 20:00
Theater Eurodistrict BAden ALsace, Neuried
Theater Eurodistrict BAden ALsace, Forum européen du Rhin Neuried Am Altenheimer Yachthafen 1, 77743 Neuried,
Gastspiel

Eine Solocomody mit rasanten Rollenwechseln und jede Menge Pointen. Ein wilder Slalom durch ein Heldendrama, bei dem die Assoziationen dem Zuschauer um die Ohren fliegen! Ausgezeichnet mit dem Ehrenpreis Kleinkunst Baden-Würtemberg 2019.

Was dem Goethe sein Gründgens ist dem Shakespeare sein Lafrenz – zumindest für den Freund der gepflegten Kleinkunst. Denn statt den Theatertempel sucht Bernd Lafrenz die Intimität der Kabarettbühne für seine freigeistigen Adaptionen der Shakespeare-Klassiker. Heute steht übrigens „Hamlet“ auf dem Spielplan.
Rache und Intrige – normalerweise ist der Stoff, aus dem Shakespeares „Hamlet“ ist, ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse: Ein Bruder- und Vatermord, den der Sohn und Thronfolger sühnen soll und der schließlich nach allerhand Ränke und Klingenkreuzen selbst sein Leben verliert. Garniert ist das Ganze natürlich noch mit Freundschaft und Liebe – die Handlung des Bühnenklassikers mit dem berühmten Zitat von Sein oder Nichtsein ist jedem Theaterfreund bekannt.
„Der Rest ist Schweigen“, könnte man nun den Prinzen zitierend schließen, wenn die „Hamlet“-Aufführung nicht etwas ganz Besonderes wäre: Bernd Lafrenz spielt Hamlet. Und den Geist des ermordeten Vaters auch. Darüber hinaus den Mörder Claudius. Und den Freund Laertes. Und natürlich auch die Mutter Gertrude und die geliebte Ophelia. Nicht zu vergessen: Regie führt er natürlich auch.
Man könnte meinen, dass Bernd Lafrenz einen Lieblingscharakter hat. Aber wenn, rückt er damit nicht heraus. Der immobile Prinz, der sein Königreich gegen ein Pferd tauschen möchte, der pfiffige Hofnarr Yorick, die verzweifelte Ophelia, der altersschwache Geist – sämtliche Rollen gibt er mit der gleicher Intensität und Hingabe.
Heute also „Hamlet“ – natürlich ohne Gewähr, dass auch jedes Wort so bei Shakespeare steht! Hier ist das Spiel wichtiger als Kulisse und Requisite; und vielleicht kann Lafrenz genau deswegen mit vielen eingestreuten Pointen und freien Assoziationen seinen Helden ein Leben einhauchen, dessen Vitalität eine große Bühne fast zwangsläufig schuldig bleiben muss.
Zumal auch diesmal die Zuschauer mitwirken und als akustische Statisten für die Geräuschkulisse sorgen dürfen: „Machen Sie jedes Geräusch, das sie auf der Bühne erkennen“, braucht Lafrenz auch gar nicht lange zu ermuntern: Schon murmeln die Ostseewellen, ist es schaurige Nacht mit Eulenruf oder tratscht das Volk über die Königin.

Kurzum: Das Kleinkunstpublikum kommt also einmal mehr in den Genuss von Wandlungsfähigkeit und Überzeugungskraft des Künstlers, der sich nach und nach den ganzen Shakespeare einverleibt, um ihn in gelungenen Ein-Personen-Stücken im Stile der Commedia dell’arte auf die Bühne zu zaubern.
Einverleiben ist hierbei übrigens ein treffendes Wort, denn wo andere Mimen eine Rolle spielen und sich mit eben diesem Charakter zur Gänze identifizieren dürfen, ja müssen, da hat Lafrenz gleich das ganze Personal zu spielen: Hier kämpft er nicht gegen einen anderen, sondern muss quasi mit sich selbst ringen. Aber dies bedeutet, dem Stück sicherlich um einiges näher zu kommen als ein normaler Protagonist. Und Shakespeare natürlich auch, entsprangen die vielen Helden und Antihelden, die Lafrenz in (s)einer Person einfängt, weiland doch ebenfalls nur einem kreativen Geist… (Jan-Geert Wolff, Kulturjournalist)

Hamlet: diesmal Komik statt Tragik Zum La Piazza-Auftakt lieferte der Kabarettist Bernd Lafrenz den Knüller „Sein oder nicht sein“ war nicht die Frage, denn „dabeisein“ war einfach alles, als der Vollblutschauspieler Bernd Lafrenz seinen „Hamlet – frei komisch nach Shakespeare“ im De-Opera-Zelt zum besten gab. Begeisterte Zuschauerbeteiligung kennt man eigentlich nur aus dem Kasperl- und Kindertheater, doch was sich im Zelt abspielte, war das Nonplusultra des interaktiven Theaters. Sechseinhalb Stunden dauert der Hamlet, warnte Lafrenz, aber die hätte man locker abgesessen, denn was der Komödiant auf der Bühne in zwei Stunden zum besten gab, sucht in der bundesdeutschen Kleinkunstszene seinesgleichen. Bernd Lafrenz ist alles in einer Person, hehrer Hamlet, aufreizende Gertrude, dümmlicher Claudius, pubertäre Ophelia, rächender Laertes und allwissender Horatio. …Bei dieser Persiflage auf seinen ganz ernst gemeinten „Hamlet, Prinz von Dänemark“ muß sich der gute alte William Shakespeare nicht im Grabe umdrehen – dazu hätte er bei diesem Nonstop-Angriff auf die Lachmuskeln auch gar keine Gelegenheit. Die Bitte an Bernd Lafrenz lautet: Unbedingt wiederkommen…
AUGSBURGER ALLGEMEINE
„Hamlet“ bringt das Zelt am Wasserturm zum Beben Zuschauer amüsieren sich köstlich über Bernd Lafrenz und seine verrückte Shakespeare-Version ROTTWEIL (wdb) – Wenn es stimmt, dass Lachen gesund ist, dann müßte es sowas wie Bernd Lafrenz auf Krankenschein geben: Was der Freiburger Schauspieler am Mittwoch im „Ferienzauber“-Zelt bot, war Komik vom Feinsten. Komik – oder auch gespieltes Comic…. … Dass Gestik und Mimik des Schauspielers das Ihre dazu taten, um aus dem Spektakel eine runde Sache zu machen, es wäre noch zu erwähnen. Ds heisst in diesem Zusammenhang: bewusste Übertreibung einzelner Merkmale der Figuren bis zur lebenden Karikatur – ein Comical eben. Kein Wunder, dass nach zwei Stunden Lachen eine ganze Reihe der über 300 Zuschauer den Schaupieler mit einer „standing ovation“ bedachte.
SÜDWESTPRESSE
Ein schamlos schöner Hamlet zum Mitmachen Bernd Lafrenz: Premiere fürs Kom(m)ödchen Es war beides: eine Premiere im und eine Premiere fürs Kom(m)ödchen. Bernd Lafrenz heißt der Mann, der seit Montag allabendlich durch das ehrwürdige Haus am Grabenplatz fegt. Ein Schauspieler, der nicht für sondern mit dem Zuschauer spielt. Ein Komödiant, ganz im Sinne Shakespeares: frech, vulgär und schamlos. Schön schamlos…
ZEITUNG FÜR DÜSSELDORF