(Deutsch) Ein Ensembleprojekt von BAAL novo Theater Eurodistrict von Edzard Schoppmann

Utopia oder denk ich an Deutschland
21.10.2018 | 19:00
Pfarramt Haslach, Haslach
Pfarramt Haslach, Goethestraße 6, Haslach ,

„Utopia“ ist der Höhepunkt einer insgesamt dreijährigen Theaterarbeit mit Geflüchteten. Die Uraufführung des neuen Theaterstücks bildet den Abschluss einer Trilogie. Im ersten Teil „Afrika“ hatten sich die Theatermacher mit dem Thema der zurückliegenden Flucht auseinandergesetzt. Deutsche Amateure spielten bei den Vorstellungen die Hauptrollen, denn das Stück drehte die Verhältnisse der Flüchtlingsproblematik um. In der Fortsetzung „Wartesaal der Träume“, ebenfalls eine integrative Amateur-Theaterproduktion, übernahmen die Flüchtlinge die Haupt- und Sprechrollen. Das Stück widmete sich ihrer Gegenwart, dem Warten im Ankunftsland, ihrer unsicheren Situation. Im dritten Teil „Utopia“ wird es um die gemeinsame Zukunft gehen.

Mise en Scène

Die Frage ist, kann es gelingen, ein geschichtlich monoethnisches Land wie Deutschland in eine multiethnische Gesellschaft zu verwandeln. Kann es miteinander ein Utopia geben? Oder zerfällt Deutschland in ein Puzzle aus Teilgesellschaften, Kulturen und Ethnien, die nicht mehr zusammengefügt werden können. Stehen wir vor einer Katastrophe? - „Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.“ Diesen Satz schrieb Heinrich Heine im Exil im Vorfeld der 48er Revolution, in einer Zeit, die ebenfalls von Aufbruch, Widerstand, dem Sehnsucht nach Restauration und vielen Ängsten geprägt war. Leben wir wieder in eine solchen Zeit?

In der Sylvesternacht 2019: Menschen verschiedenster Herkunft treffen im Laufe eines Abends, einer Nacht und eines Morgens aufeinander. Einsame, die sich selbst und ihren Platz in der Gesellschaft noch nicht gefunden oder wieder verloren haben. Deutsche und nicht Deutsche, Pendler zwischen Hoffnung und Resignation. Sehnsüchtige, die sich in ihrer Isoliertheit aneinanderklammern. Wütende, weil sie sich ausgegrenzt fühlen. Über Nacht entstehen Begegnungen zwischen Fremden, aus Worten werden Fäden gesponnen, ein löchriges Netz geflochten, durch das man einen Blick auf Utopia werfen kann. Bruchstücke werden zusammengefügt, zerfallen wieder, um nach neuen Antworten zu suchen. Was geschieht, wenn wir nicht miteinander sprechen? Was geschieht, wenn wir nicht Grenzen setzen?

Das Projektensemble mit einem Dutzend Schauspielern besteht aus Profis und Amateuren, Menschen, die in Deutschland gemeinsam ihre Zukunft erleben wollen. Geprobt über ein Jahr ist eine Sammlung an Geschichten, Texten, Musikstücken über Deutschland entstanden, aus dem Blickwinkel von Menschen von Hier und Überall.