Von Jörg-Menke-Peitzmeyer
Eine Koproduktion zwischen BAAL novo – Theater über Grenzen und Theater Bonn
Ausgezeichnet durch ein Stipendium des Baden- Württembergischen Jugendtheaterpreises
Regie: Marita Ragonese
Mit Sinan Hancili, Şelale Gonca Cerit, Fabienne Trüssel & Hans H. Diehl
Bühnenbild: Daniela Hohenberger
Ab 14 Jahre

Inspiriert durch eine wahre Geschichte, die 2009 in „Der Spiegel“ veröffentlicht wurde, hat Autor Jörg Menke-Peitzmeyer das Stück über den 18-jährigen Musa geschrieben, der eines morgens verhaftet und von der Ausländerbehörde aufgefordert wird, Deutschland zu verlassen. Das Jugendtheaterstück „Getürkt“, das am 5. Oktober 2012 in Offenburg Uraufführung feierte, ist für den Deutschen Jugendtheaterpreis nominiert.
Kommentar der Jury: „Jörg Menke-Peitzmeyer schildert den Zynismus und Wahnsinn der Geschichte einer Abschiebung. Mit sprachlicher Wucht zeichnet der Autor einen starken selbstbewussten Protagonisten, während er seine Gegenspieler vom Amt satirisch darstellt und die Absurdität des amtlich verordneten Identitätswechsels komisch zuspitzt. Er bietet aber keine Lösung an, sondern zeigt nur die Situation der Figuren und ihre Reaktion darauf”.
Für das Expose zum Stück erhielten Autor J.-M. Peitzmeyer und BAAL novo bereits 2010 den Baden-Württembergischen Jugendtheaterpreis verbunden mit einem Stipendium zur Stückentwicklung.
Im Zentrum des Stückes steht Musa, der – wie er glaubt – mit seinen Eltern als kleines Kind aus den politischen Bürgerkriegswirren des Libanons nach Deutschland geflohen ist, wo die Familie politisches Asyl erhielt. Nach einer späteren Überprüfung durch die Polizei stellt sich jedoch heraus, dass die Familie die Umstände der Flucht und ihr Ursprungsland vorgetäuscht hatten. Sie sind nicht aus dem Libanon geflohen, sondern kamen in Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland aus einer entlegenen Gegend der Türkei, in der eine dem Libanesischen verwandte Sprache gesprochen wurde. Nachdem Musa die Volljährigkeit erreicht hat, wird er in die Türkei abgeschoben. Er fühlt sich betrogen, von seinen Eltern, der deutschen Gesellschaft und wird existentiell erschüttert: Wer bin ich?
…Musas Welt & die Welt der „Abschieber“

Das Stück geht bei dieser Frage weit über die Abschiebepraxis hinaus und fragt danach wie sehr äußere Bestimmungen unser Existenzgefühl prägen. Dabei beschreibt der Autor weniger die eigentliche „Story“, dringt viel mehr in zwei parallel existierende emotionale Welten ein: in die Musas und in die der “Abschieber”. Die zunehmend verstörte emotionale Welt Musas kommt in fast alptraumhaften Texten und zerstückelten Monologen zum Ausdruck. Der Autor spiegelt die Psyche Musas, der innerlich verbrennt und sich und seine Beziehung zu seiner Freundin, zerstört. Trotz dieser zunehmenden Verrücktheit, bleibt seine Welt natürlich und nachvollziehbar.
…theatre meets film

Parallel dazu wird in Form einer Doku-Soap die Welt der „Abschieber“ mit mehr Distanz behandelt. Nebenfiguren wie vor allem Trostmann, der Leiter d. Ausländerbehörde, haben eine ambivalente Rolle, die in der Ausübung ihrer Pflichten sichtbar wird: sie verstecken sich hinter Regeln, hadern aber mit der Fragwürdigkeit ihres Tuns.
Die Szenen der Nebenfiguren, die Beamten der Ausländerbehörde filmen sich selbst bei ihrer Arbeit und im Privatleben. Eine Möglichkeit Distanz zu sich und den Vorschriften im Job herzustellen.
“Eine außerordentliche Premiere”

“Beeindruckender hätte man die Geschichte nicht in Szene setzen können”

“Die schauspielerische Leistung der vier Akteure, teilweise mit Mehrfachrollen besetzt, hat beeindruckt” (Galerie Ortenau)

“Sinan Hancili spielt das mit erschütternder Zwanghaftigkeit. Elmira Rafizadah als seine praktisch veranlagte Freundin Ceren zerbricht daran, und Regisseurin Marita Ragonese zeigt das in einem treffsicheren Bild: Ceren versucht, auf einem Seil zu gehen, und scheitert und scheitert und scheitert und scheitert…” (Badische Zeitung)

https://www.youtube.com/watch?v=3khqcHCIrFc&feature=youtu.be

 

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